Eigene Einlagen im Sicherheitsschuh – ersetzen, nicht stapeln

Der Sicherheitsschuh wird als Ganzes zugelassen – einschließlich der Einlegesohle, die beim Kauf drinliegt. Sie ist Teil der geprüften Bauart und keine Zugabe. Deine eigene Einlage darf sie deshalb ersetzen, aber niemals zusätzlich obendrauf liegen: Zwei Sohlen übereinander nehmen genau die Millimeter Höhe weg, die zwischen Zehen und Kappe eingeplant sind.

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Die Serieneinlage gehört zur Baumusterprüfung

Sicherheitsschuhe sind persönliche Schutzausrüstung der Kategorie II. Eine benannte Stelle prüft ein Baumuster nach EN ISO 20345 und stellt dafür eine EU-Baumusterprüfbescheinigung aus – geprüft wird der Schuh so, wie er ausgeliefert wird. Die beiliegende Fußbettsohle ist Teil dieses Zustands, und an ihr hängen drei geprüfte Eigenschaften:

Praktisch heißt das: alte Sohle raus, neue rein. Wer stapelt, hebt den Fuß an, verliert Zehenfreiheit und drückt die Nägel von oben gegen die Kappe – ein häufiger Grund für blaue Zehennägel in Schuhen, deren Länge eigentlich stimmt.

ESD: die Ersatzeinlage muss ableiten

An einem ESD-Arbeitsplatz ist die Einlage kein Komfortthema mehr, sondern ein Bauteil der Ableitkette. Gemessen wird die Strecke von der Fußsohle über Schuh und Boden. Eine Gel-, Memoryschaum- oder alukaschierte Sohle aus dem Drogerieregal isoliert und hebt den Systemwiderstand über den Grenzwert von 35 MΩ. Ableitfähige Rohlinge, aus denen die Orthopädie-Schuhtechnik eine Einlage fräsen kann, führen die Schuhhersteller selbst – mit Prüfnachweis. Wie eng dieses Fenster gegenüber der bloßen Antistatik liegt, zeigt die Seite zu ESD-Arbeitsschuhen.

Volumen: Weite hoch, Länge gleich

Eine Schaleneinlage baut unter Ferse und Längsgewölbe deutlich stärker auf als die flache Serieneinlage. Der Fuß sitzt danach höher im Schaft – und weiter oben ist jeder Schuh schmaler. Die drei typischen Folgen und ihre Behebung:

BeschwerdeFalscher ReflexWas wirklich hilft
Ballen liegt zu engEine Nummer länger kaufenEine Weitenstufe mehr bei gleicher Länge
Ferse hebt sich beim AbrollenFester schnürenHöherer Schaft oder tieferes Fersenbett im Leisten
Spann drückt nach kurzer ZeitOberste Öse auslassenModell mit weit nach vorn gezogener Schnürung

Nimm deine Einlage zur Anprobe mit und leg sie ein, bevor du urteilst – ein Test mit der Serieneinlage im Schuh sagt dir nichts. Prüfe außerdem, ob sich das Fußbett überhaupt herausnehmen lässt: Bei vernähten Fußbetten und einigen Strick-Sneakern ist das nicht der Fall. Wie du Ballenumfang und Weite bestimmst, steht bei breiten Füßen. Sitzt der Druck ausgerechnet am Großzehenballen, ist meist die Kappenform das Thema und nicht das Fußbett: Hallux valgus.

Zurichtung: erst die Freigabe, dann die Werkstatt

Sobald am Schuh selbst gearbeitet wird – Einlage nach Maß, Sohlenrolle, Absatzausgleich, Weitung des Schafts –, gilt das als orthopädische Zurichtung. Die DGUV Regel 112-191 verlangt dafür die Freigabe des Schuhherstellers für genau dieses Modell, die Ausführung durch einen dafür anerkannten Fachbetrieb und eine schriftliche Bestätigung, dass der Schuh anschließend weiterhin normkonform ist. Diese Bescheinigung gehört in die Unterlagen deines Betriebs, nicht in den Schuhkarton.

Häufige Fragen

Darf ich Einlagen aus der Drogerie in Sicherheitsschuhe legen?

Wenn du damit die Serieneinlage ersetzt, keine ESD-Anforderung erfüllen musst und genug Zehenfreiheit bleibt, beanstandet das im Alltag niemand. Formal weicht der Schuh damit vom geprüften Zustand ab, und der Hersteller kann Reklamationen ablehnen. Ärztlich verordnete Einlagen gehören ohnehin in den Freigabeweg über den Betrieb.

Brauche ich mit Einlagen eine größere Schuhnummer?

Fast nie. Länger wird der Fuß durch die Einlage nicht, höher schon. Die passende Antwort ist deshalb mehr Weite oder ein Modell mit größerem Innenvolumen. Eine Nummer mehr verschiebt nur die breiteste Stelle des Leistens nach vorn, sodass der Fuß im Schuh wandert.

Woran merke ich, dass zu wenig Platz übrig ist?

An Rötungen am Nagelrand, an einem Abdruck der Kappe auf der Zehenoberseite und an Druck auf dem Spann schon nach kurzer Zeit. Mach den Test im Stehen: Einlage einlegen, zehn Minuten stehen bleiben, dann die Zehen bewegen. Lassen sie sich nicht mehr flach ausstrecken, ist die Kombination zu voll.