Schweißerschuhe: welche Norm am Brenner wirklich zählt

Fast jeder Schuh, der als Schweißerschuh verkauft wird, ist ein gewöhnlicher S3 mit HRO-Sohle. Die eigentlich einschlägige Norm heißt aber EN ISO 20349-2 und prüft etwas völlig anderes: das Verhalten des Schafts, wenn flüssiges Metall darauf trifft. Erfüllt ein Modell diese Anforderung, trägt es das Kürzel WG. HRO dagegen sagt nur etwas über die Laufsohle aus – über die Perle, die von oben auf den Spann fällt, sagt es gar nichts.

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EN ISO 20349-2: die Norm für Schweißen und verwandte Verfahren

Die Normenreihe 20349 behandelt thermische Risiken durch flüssiges Metall. Teil 1 zielt auf Gießereien, Teil 2 auf Schweißen und verwandte Verfahren. Ein Schuh nach Teil 2 erfüllt zunächst alle Grundanforderungen an Sicherheitsschuhe – Zehenkappe mit 200 Joule, Rutschhemmung, Antistatik – und wird darüber hinaus gegen Metallspritzer und auf das Flammverhalten des Obermaterials geprüft. Zusätzlich verlangt die Norm, dass sich das Schuhwerk schnell und ohne Hilfsmittel ausziehen lässt.

Das ist der praktische Unterschied zum Standardsortiment: Ein S3-Halbschuh darf ein aufgeschäumtes Synthetikobermaterial haben, das unter einer glühenden Perle schmilzt und die Schmelze auf der Haut festhält. Steht WG nicht am Schuh, ist die Prüfung nicht gelaufen – unabhängig davon, wie der Artikel im Shop heißt. Verbindlich ist am Ende die Gefährdungsbeurteilung deines Betriebs nach DGUV Regel 112-191; sie legt fest, ob am Arbeitsplatz mit nennenswertem Spritzeranfall zu rechnen ist.

HRO, HI und die Sohle am Brenner

KürzelWas geprüft wirdNutzen am Schweißplatz
HROLaufsohle gegen Kontaktwärme, 300 °C für 60 SekundenStehen auf frisch geschweißten Blechen und heißem Rost
HIWärmedämmung des gesamten SohlenkomplexesLängeres Stehen auf aufgeheizten Flächen, Fuß bleibt kühler
WGObermaterial gegen flüssige MetallspritzerDer eigentliche Schutz von oben
SCAbriebschutz über der ZehenkappeStandzeit beim Knien an der Naht

Für die Sohle heißt das konkret: Nitrilkautschuk oder ein anderer Gummi als Laufschicht, nicht reines Polyurethan. PU dämpft besser und wiegt weniger, verformt sich unter punktueller Hitze aber dauerhaft, und ein glühender Abbrandrest brennt sich ein. Eine Gummilaufsohle auf PU-Zwischensohle ist der übliche Kompromiss aus Dämpfung und Hitzefestigkeit. Wie diese Sohlenkürzel systematisch zusammenhängen, zeigt der Ratgeber zur EN ISO 20345.

Verschluss und Schaft: raus in Sekunden

Die häufigste Verletzung am Schweißplatz ist keine Durchtrittwunde, sondern eine Verbrennung am Spann oder Knöchel, weil eine Perle in den Schuh gefallen ist. Sie lässt sich nicht ausschütteln, sie liegt und brennt. Was dann zählt, ist die Zeit bis der Schuh unten ist – und die entscheidet der Verschluss:

Als Obermaterial bleibt narbiges oder gefettetes Rindleder mit möglichst glatter Oberfläche: Je weniger Struktur, Naht und Absatz die Fläche hat, desto eher rollt ein Spritzer ab, statt liegen zu bleiben. Wildleder und aufgeraute Nubukflächen halten glühende Partikel dagegen fest.

Hosenbein über den Schaft, nicht hinein

Der beste Schuh nützt nichts, wenn die Hose ihn zum Trichter macht. Das Hosenbein gehört immer außen über den Schaft, ohne Aufschlag und ohne umgeschlagenen Saum, damit Spritzer außen abgleiten. In den Stiefel gesteckt sammelt der Schaft alles ein, was am Bein herunterläuft. Bei Überkopf- und Zwangslagen kommt eine Gamasche dazu, weil Spritzer dort nicht fallen, sondern seitlich und von unten kommen.

Zur Schafthöhe: Am Tisch reicht der Knöchelschuh, bei Bauteilmontage, Steigarbeit und Schweißen im Freien ist der Stiefel die sichere Variante, weil er die Lücke zwischen Hose und Schuh vollständig schließt. Der Schuh ist ohnehin nur ein Teil der Ausrüstung – Schweißerkleidung nach EN ISO 11611 und passende Handschuhe gehören zum selben Satz.

Häufige Fragen

Reicht ein S3-Schuh mit HRO zum Schweißen?

Für gelegentliche Heftarbeiten mit wenig Spritzeranfall ist das gängige Praxis, sofern das Obermaterial aus Leder besteht und die Schnürung abgedeckt ist. Wer täglich am Brenner steht, sollte ein nach EN ISO 20349-2 geprüftes Modell mit WG wählen – HRO deckt nur die Laufsohle ab.

Was bedeutet das Kürzel WG genau?

WG kennzeichnet Schuhwerk, das nach EN ISO 20349-2 gegen Gefährdungen beim Schweißen geprüft wurde. Dazu gehören Beständigkeit des Obermaterials gegen flüssige Metallspritzer und das Flammverhalten. Das Kürzel steht zusammen mit der Normnummer im Schuh, nicht nur in der Artikelbeschreibung.

Welche Schafthöhe brauche ich beim Schweißen?

Am festen Arbeitsplatz mit abgedeckter Schnürung genügt ein Knöchelschuh. Sobald du dich bewegst, kniest oder über Kopf arbeitest, ist ein Stiefel besser, weil er den Übergang zur Hose dicht schließt. Ergänzend gibt es Gamaschen, die über den Schaft geschnallt werden.