Ohne Senkel arbeiten – die Verschlussarten im Vergleich
Die EN ISO 20345 schreibt keine Verschlussart vor. Sie verlangt nur, dass der Schuh sicher am Fuß gehalten wird – ob das ein Senkel, ein Riemen oder ein Gummizug erledigt, ist der Norm gleich. Das Verbot offener Schnürsenkel kommt deshalb nie aus dem Prüfbericht, sondern aus der Betriebsanweisung, und zwar aus drei konkreten Gründen: Einzugstellen, Stolperkanten und Hygiene.
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Arbeitsschuhe ohne Schnürsenkel bei Amazon ansehenWarum Betriebe offene Senkel untersagen
An Kettentrieben, Rollenbahnen, Bohrständern und Wickelwellen gibt es Einzugstellen. Ein loses Senkelende ist genau das, was dort erfasst wird, und der Fuß hängt fest dran. Auf Treppen, Steigleitern und Bühnen kommt der zweite Grund dazu: Ein aufgegangener Senkel wird beim Steigen vom anderen Schuh getreten, und beide Hände sind am Geländer oder an der Last. Der dritte Grund ist Hygiene – in der Lebensmittelverarbeitung sind Textilsenkel Fremdkörperquelle und saugen Fett, Blut und Lauge auf, im Reinraum geben sie Fasern ab.
Ob daraus eine Vorgabe wird, entscheidet die Gefährdungsbeurteilung deines Betriebs nach DGUV Regel 112-191. Wo sie greift, steht meist nicht „ohne Senkel" in der Anweisung, sondern „Verschluss vollständig geschlossen und abgedeckt" – eine über die Schnürung geklettete Blende erfüllt das ebenso wie ein senkelloser Schuh.
Die fünf Bauarten und was sie können
| Verschluss | Funktion | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Klettriemen | Ein bis drei breite Laschen über Rist und Spann | Weite grob nachstellbar, mit Handschuh bedienbar, extrem schnell | Flauschseite setzt sich mit Fasern und Staub zu und hält dann nicht mehr |
| Schlupfform | Seitliche Gummizüge oder ein Dehneinsatz, kein Verschluss | Nichts, was aufgeht, hakt oder Schmutz sammelt; leicht zu reinigen | Weite ist fix – passt der Leisten nicht, hilft nichts nach |
| Elastikschnürung | Rundkordel mit Federklemme, oft unter einer Lasche | Ein Druck auf die Klemme öffnet und schließt; Kordel gibt beim Hocken nach | Dauerelastisch heißt auch: Der Fuß wird geführt, aber nicht fixiert |
| Drehverschluss | Drahtseil auf einem Rad mit Rastwerk | Feinste Dosierung, dehnt sich nicht, öffnet in einer Bewegung | Empfindlich gegen Staub in den Führungen, mehr Teile am Schuh |
| Reißverschluss | Seitlicher Zipper neben einer fest eingestellten Schnürung | Passform einmal einstellen, danach nur noch auf- und zuziehen | Der Zipper ist das Verschleißteil und verklemmt bei Staub und Sand |
Die Feinheiten des Drehrads – Druckverteilung, Ersatzteile, Reparatur – behandelt die Seite zum Boa-Drehverschluss. Bei den anderen vier gilt als Faustregel: Je weniger der Verschluss nachjustierbar ist, desto genauer muss der Leisten von Anfang an sitzen.
Woran Schlupfmodelle scheitern: der Fersenhalt
Auf ebenem Hallenboden merkst du keinen Unterschied. Sobald es aufwärts geht – Treppe, Rampe, Tritt am Regal – hebt die Ferse im Schlupfschuh bei jedem Schritt ab. Der Fuß wandert dabei nach vorn, und in einem Sicherheitsschuh sitzt vorn eine harte Zehenkappe mit einer Kante. Die Zehen krallen gegen das Herausrutschen, und genau diese Dauerspannung ist es, die abends im Vorfuß schmerzt.
Wenn es ein Schlupfmodell sein soll, prüfe drei Dinge: eine feste, tief geschnittene Fersenkappe, einen Gummizug, der beim Anziehen spürbar Widerstand leistet, und einen Sitz, der schon beim ersten Schritt stimmt – nachgeben wird da nichts mehr. Auf Treppendienst ausgelegte Bereiche wie die Gebäudereinigung fahren mit Klett oder Elastikzug besser. Und noch ein Normdetail: Ein hinten offener Clog bleibt bei der Grundstufe OB stehen, weil O1 nach EN ISO 20347 einen geschlossenen Fersenbereich verlangt. Mit Fersenriemen sieht das anders aus – siehe Sicherheitssandalen.
Wenn es nicht ums Reinkommen geht, sondern ums Rauskommen
Es gibt Arbeitsplätze, an denen der Verschluss nur eine Aufgabe hat: den Schuh in Sekunden freizugeben. Eine glühende Metallperle, die über den Schaftrand fällt, lässt sich nicht ausschütteln – sie liegt auf dem Spann und brennt weiter. Dasselbe gilt für heißes Frittierfett, Wasserdampfkondensat aus dem Kombidämpfer und für Reinigungslauge, die von oben in den Schaft läuft.
Tauglich sind hier Klettlasche, Elastikklemme, Drehrad und Schlupfform, weil du sie einhändig, im Handschuh und ohne hinzusehen löst. Untauglich ist eine verdeckte Schnürung unter einer aufgenähten Blende, die du erst aufreißen und dann noch einen Knoten lösen musst. Welche Materialien am Brenner dazugehören, steht bei den Schweißerschuhen, die Fettthematik bei den Küchenschuhen.
- HalbschuheBauform A, meist mit Klett oder Rad
- SikaSchlupfschuhe und Clogs
- Pflege und KlinikWaschbar, oft ohne Schnürung
- KennzeichnungenWas auf dem Etikett wirklich steht
Häufige Fragen
Gibt es S3-Sicherheitsschuhe ganz ohne Schnürung?
Ja. Die Klasse sagt nichts über den Verschluss aus – es gibt S3 als Klettmodell, mit Drehrad und als Schlupfstiefel mit seitlichen Gummizügen. Achte nur darauf, dass Zunge und Verschlusszone geschlossen sind, sonst hilft das wasserabweisende Obermaterial wenig.
Wie lange hält ein Klettverschluss am Arbeitsschuh?
In sauberer Umgebung mehrere Jahre, in staubiger und faseriger deutlich kürzer. Zusetzen ist die häufigste Ursache, nicht Abnutzung: Haare, Fusseln und Dämmwolle verstopfen die Flauschseite. Mit einer harten Bürste oder einem Kamm lässt sie sich wieder ausräumen.
Darf ich die Senkel gegen ein Elastiksystem tauschen?
Bei Sicherheitsschuhen besser nicht auf eigene Faust. Der Schuh wurde in der ausgelieferten Ausführung baumustergeprüft, und ein Nachrüstzug hält den Fuß oft schwächer hinter der Kappe. Frag die Sicherheitsfachkraft oder wähle gleich ein Modell mit werkseitigem Verschluss.